Thailand 9. August 2017

Der Tiger Cave Tempel in Krabi: Grenzerfahrung in luftiger Höhe

Blick auf den Tiger Cave Tempel in Krabi

Die meisten Leute kommen nach Krabi wegen der Traumstrände rund um Ao Nang. Dort findest du das „klassische Thailand“ aus dem Reisekatalog. Die Region ist deshalb nicht nur bei Backpackern, sondern auch bei Pauschaltouristen beliebt. Die Konsequenz: Vor allem in der Hauptsaison sind die bekanntesten Strände und Inseln häufig überlaufen. Um den Touristenmassen zu entfliehen, habe ich einen Abstecher ins Hinterland, in einen Außenbezirk von Krabi-Stadt, gemacht. Dort wartet mit dem Tiger Cave Tempel (Wat Tham Sua) eine ganz besondere Herausforderung auf die Besucher. Schweißtreibend und sehr anstrengend, aber auch absolut unvergesslich.

Anreise von Ao Nang & Krabi-Stadt

Mit dem Bus:

Von unserer Unterkunft in Ao Nang mache ich mich am späten Vormittag auf den Weg in Richtung Krabi. Aus dem Ort fahren regelmäßig Busse und Sammeltaxis in die Innenstadt von Krabi. Dort steige ich um und es geht weiter an den Stadtrand zum Tiger Cave Tempel. Die Kosten liegen bei ungefähr 200 Baht (das entspricht fünf Euro) pro Strecke. Ich habe für die Fahrt inklusive des Umstiegs ungefähr eine Stunde benötigt.

Busfahren hat in Thailand (von Fernreisebussen mal abgesehen) übrigens wenig mit der Art von öffentlichem Nahverkehr zu tun, den wir als Europäer kennen. Die Busse sind meist an den Seiten offen, auf dem Dach wird Gepäck transportiert. Außerdem sitzen die Gäste dichtgedrängt auf harten Holzbänken. Und wenn drinnen alles voll ist, fahren Einheimische auch gerne mal stehend auf der für den Einstieg gedachten Stufe am hinteren Ende des Fahrzeugs mit. Klingt wild, aber macht Spaß. Für mich war es die erste Busfahrt in Thailand außerhalb Bangkoks und für sich genommen schon ein kleines Abenteuer.

Mit dem Taxi:

Wer bereit ist, mehr Geld auszugeben, kann natürlich auch bequem mit dem Taxi oder Tuk Tuk fahren. Das kann sich mit einer Gruppe von drei bis vier Leuten auch durchaus lohnen. Für ungefähr 1200-1500 Baht (natürlich Verhandlungssache) bringt dich der Fahrer dann von Ao Nang zum Tempel, wartet dort und bringt dich und deine Gruppe danach auch wieder zurück.

Mit dem Roller:

Eine schöne Möglichkeit, die Gegend rund um Ao Nang zu erkunden besteht im Mieten eines Rollers. Den bekommst du in vielen Hotels oder an diversen Verleihstationen im Ort für sehr kleines Geld (bei meinem Besuch 200 bis 300 Baht pro Tag). Die Fahrt vom Ao Nang Beach zum Tiger Cave Temple dauert mit dem Roller ebenfalls ungefähr eine Stunde.

Mein Tipp für Rollerfahrer: Unbedingt zum Khlong Muang Beach einige Kilometer nordwestlich von Ao Nang fahren! Der Strand dort ist traumhaft schön, es gibt einige nette Beach Bars und das Gebiet ist deutlich ruhiger und entspannter als Ao Nang selbst. Auch eine Fahrradtour zum Khlong Muang Beach ist problemlos möglich.

Vorsicht vor gierigen Affen

Jetzt aber zurück zum Tiger Cave Tempel: Am Wat Tham Sua angekommen, gelange ich über einen Parkplatz zum unteren Bereich des Tempels. Auf meiner rechten Seite erhebt sich eine große Pagode. Leider ist sie während meines Besuchs teilweise eingezäunt und nicht zugänglich. Schade!

Pagode im Tiger Cave Tempel

Die prachtvolle Pagode im unteren Bereich des Tempels – bei meinem Besuch leider geschlossen.

Auf der linken Seite befindet sich dann der namensgebende Teil des Tempels, ein begehbarer höhlenartiger Bereich. Bis heute Leben hier einige Mönche. Vom Tiger, der hier einst gehaust haben soll, fehlt allerdings jede Spur. Dafür gibt es diverse Porzellantiger und große Tigerstatuen.

Im Inneren des Tiger Cave Tempels

Echte Tiger gibt es keine mehr, nur noch Attrappen aus Porzellan…

Im Inneren des Tiger Cave Tempels

…und natürlich unzählige buddhistische Devotionalien.

Zurück im Freien geht es durch ein prachtvolles Tor in den hinteren Bereich der Anlage. Hier tummeln sich einige wildlebende Affen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Besucher zu ärgern. Vorzugsweise klauen sie Essen, aus offenen Taschen und natürlich auch ganz dreist aus der Hand. Das Schauspiel ist zwar lustig anzusehen, trotzdem gilt zu deiner eigenen Sicherheit: Iss hier nichts, sondern verstaue alles Essbare sicher vor den Affen. Ich decke mich an den diversen Verkaufsständen stattdessen mit mehreren Flaschen Trinkwasser ein, denn nun steht das eigentliche Abenteuer des Ausflugs vor mir: Der Aufstieg zum oberen Teil des Tiger Cave Tempel.

Fressender Affe am Tiger Cave Tempel

Vorsicht vor den frechen Affen. Sie stehen tierisch auf das Essen der Besucher.

Der Aufstieg zum Bergtempel

Über eine sehr große, 1237 Stufen lange Treppe führt ein Weg vom unteren Bereich durch den Dschungel hoch hinauf zu einem Bergtempel. Da bin ich natürlich hochgradig motiviert, denn: Ich liebe solche Herausforderungen. Auch wenn ich nicht der Fitteste bin, „quäle“ ich mich gerne Berge und Treppen hoch. Das hier ist allerdings eine Grenzerfahrung. Von einer gewöhnlichen Treppe kann nämlich nicht die Rede sein. Kaum eine Stufe ist genauso hoch wie die darauffolgende. Manche sind sehr flach, andere sind wiederum so hoch, dass ich sie mit Händen und Füßen erklimmen muss.

Beginn des Aufstiegs zum Tiger Cave Tempel

Ab hier beginnt der Aufstieg zum oberen Bereich des Tempels.

Hinweisschild mit der Anzahl der Stufen am Tiger Cave Tempel

Liest sich fast wie ein Warnschild: Ja, es sind wirklich 1237 Stufen.

Treppe am Tiger Cave Tempel

Die Treppe ist ziemlich steil und ungleichmäßig.

Ich bin dankbar, dass ich mehrere Flaschen Wasser dabei habe und gönne mir einige kurze Pausen. Bei 35 Grad und gefühlten 90 Prozent Luftfeuchtigkeit geht dieser Aufstieg ganz schön auf den Kreislauf. Für Thais gilt der Weg hinauf zum Bergtempel als eine Art Wallfahrt – langsam verstehe ich, warum. Ich schwitze und kämpfe mich nach oben. Dort angekommen, fühle ich mich wie gereinigt und geläutert.

Marc Möllmann am Tiger Cave Tempel in Krabi

Bei ungefähr 35 Grad und schwüler Luft komme ich ziemlich ins Schwitzen. Trotzdem immer schön Lächeln!

Ein magischer Ort

Ich bin komplett aus der Puste und schwitze aus allen Poren. Selten habe ich mich so dermaßen angestrengt. Der Tempel entschädigt allerdings für alle Strapazen: Auf einer großen, terassenartigen Plattform thront er auf der Spitze eines Berges. Ich genieße den fantastischen Ausblick auf Krabi-Stadt und das ganze Umland. Der untere Bereich des Tempels mit der Pagode wirkt auf einmal winzig weit unter mir.

Blick vom oberen Bereich des Tiger Cave Tempels ins Tal

So hoch bin ich gelaufen, nur über Treppenstufen. Echt jetzt!

TIger Cave Tempel Übersicht

Der terassenfartige Bergtempel versprüht eine fast schon spirituelle Ruhe.

In der Mitte der Terasse erhebt sich eine riesige Buddhastatue, zu dessen Füßen Gläubige Duftkerzen anzünden und beten. Es gibt mehrere kleine Plattformen und Türmchen, auf die man sich zurückziehen kann.

Buddha-Statue im Tiger Cave Tempel in Krabi

Die große Buddha-Statue im Zentrum des Bergtermpels.

Die Ruhe hier oben fühlt sich spirituell an, auch für Nicht-Buddhisten. Der gesamte Ort hat eine magische Aura. Mein Kumpel, mit dem ich hier bin, zündet deshalb selbst ein Räucherstäbchen an. Das klingt vielleicht kitschig, aber nach dem anstrengenden Aufstieg ist es ein ganz besonderes Gefühl. Ich sauge diese spezielle Atmosphäre auf und verweile eine gute Stunde. Dann geht es wieder hinab ins Tal. Beim Abstieg blicke ich in unzählige gequälte Gesichter, die mich stumm fragen: Ist es noch weit? Ich bin froh, dass ich die Anstrengungen schon hinter mir habe und glücklich, diesen sehr speziellen Ort besucht zu haben.

Dürfen in keinem buddhistischen Tempel fehlen: Glocken…

…und viele kleine Buddhafiguren.

Abstecher nach Krabi-Stadt

Wieder im Tal mache ich mich zurück auf den Weg in Richtung des Parkplatzes vor dem Tiger Cave Tempel. Praktischerweise steht dort ein Sammeltaxi bereit, auf dessen Ladefläche schon einige Backpacker auf die Abfahrt warten. Ich geselle mich zu ihnen und mache noch einen Abstecher in die Innenstadt von Krabi. Von freitags bis sonntags findet hier auf dem alten Marktplatz ein Night Market statt, der jeweils am späten Nachmittag startet. Ich drehe eine Runde über den Platz und gönne mir eine Portion gegrillte Kochbanane mit Honig und danach ein frisches Kokosnusseis. Selten habe ich es mir so verdient wie heute.

Vier Regeln für den Besuch im Tiger Cave Tempel

Wenn du in der Provinz Krabi bist, darfst du die Tour zum Tiger Cave Tempel auf keinen Fall verpassen. Der Aufstieg zum Bergtempel ist zwar grenzwertig anstrengend, die Atmosphäre aber unvergleichlich.

Beachte bei deinem Besuch folgende vier folgende Regeln und auch du wirst ein unvergessliches Erlebnis haben:

  1. Nimm genug Trinkwasser mit (ich empfehle mindestens zwei Liter).
  2. Höre auf deinen Kreislauf, mache genügend Pausen.
  3. Respektiere die Spiritualität des Ortes (Schuhe ausziehen auf dem Bergtempel, ruhig sein, keine Selfiestick-Orgien veranstalten).
  4. Nimm dich in Acht vor den frechen Affen (kein offenes Essen mitführen!)

Für mich war der Besuch des Wat Tham Sua der Höhepunkt in Krabi, noch vor den traumhaften Stränden rund um Ao Nang.

 

Wenn du nach Krabi fährst, solltest du von dort aus auch unbedingt für ein paar Tage einen Abstecher nach Ko Lanta machen. Meiner Meinung nach die beste thailändische Insel in der Andamanensee. Lies hier meinen Bericht mit Tipps und Empfehlungen für Ko Lanta:

Die unterschätzte Insel: Zu Besuch auf Ko Lanta

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