Oman Roadtrip 28. März 2017

Geheimtipp Masirah Island: Eine einsame Nacht auf der omanischen Wüsteninsel

Ein Straßenschild mit Kamel im Oman

Nach Masirah verirren sich nicht allzu viele Touristen, denn die Insel liegt etwas abgelegen vor der Ostküste des Oman. Die Anfahrt dauert mehrere Stunden und bedeutet einen Umweg für alle, die nicht bis ganz in den Süden des Oman nach Salalah wollen. Aber gerade in der Abgeschiedenheit liegt auch der Reiz eines Besuchs. Ich zeige dir, warum sich ein Abstecher nach Masirah Island während eines Roadtrips durch den Oman lohnt!

Allein die An- und Überfahrt nach Masirah sind den Umweg schon wert

Wir sind aus nördlicher Richtung nach Masirah gefahren, so wie die meisten Reisenden im Oman. Es bietet sich an, die Insel im Anschluss an einen Aufenthalt in Sur zu besuchen. Von Sur sind es ungefähr 300 Kilometer bis zum Hafen von Shannah, von dem die Fähren nach Masirah ablegen. Es gibt keinen Highway, deswegen musst du für die Strecke gut und gerne vier bis fünf Stunden einplanen. Die Zeit ist aber keineswegs verschenkt, denn der Weg ist extrem spektakulär: Er führt für mehrere hundert Kilometer über eine relativ neue Straße, die am Rand der Wahiba Sands Wüste entlang der Küste verläuft.

Du wirst auf der ganzen Welt kaum eine befestigte Straße finden, die so nah an einer klassischen Sandwüste liegt. Zwischendurch kann es schon mal vorkommen, dass die Straße vom Wüstensand verweht ist oder dir freilaufende Kamele begegnen, gerne auch direkt auf der Straße. Da ist teilweise wirklich Vorsicht geboten, denn die Tiere stehen gerne auch mal einfach mitten im Weg, als wären sie King of the Road. Der letzte größere Ort, bevor es in den Wüstenabschnitt geht, heißt Al Ashkharah, hier solltest du sicherheitshalber noch einmal tanken.

Kamel geht auf Straße in Ras al Jinz im Oman

Unterwegs keine Seltenheit sind Kamele, die den Weg blockieren.

Straße in der Wahiba Sands im Oman

Die Straße zum Shannah Port führt durch tolle Dünenlandschaften der Wahiba Sands.

Der Hafen von Shannah ist extrem klein, über eine Brücke gelangst du zu dem Pier, vom dem die Fähren ablegen. Es gibt zwei Anbieter: Eine staatliche Fähre, betrieben von der National Ferries Company, die 2-3 Mal täglich mit relativ neuen Booten nach Masirah übersetzt. Wer sich zeitlich nicht binden will und die ungleich spannendere Überfahrt erleben möchte, fährt mit den Booten eines privaten Anbieters. Es liegen immer einige dieser älteren, blauen Autofähren am Pier. Beobachte, welche von ihnen gerade beladen wird – auf die kannst du auch mit deinem Wagen drauf fahren. Am besten du guckst dir das Treiben mal kurz an, dann wirst du das System recht schnell erkennen.

An der Fähre weisen dich dann die Mitarbeiter ein – das ist nötig, denn du musst rückwärts auf das Schiff fahren. Es gibt keine Schilder oder andere Hinweise, aber lass dich davon nicht verunsichern. Auch wir wussten erstmal nicht direkt, was zu tun ist. Nach wenigen Minuten kam aber direkt ein Omani auf uns zu und hat versucht, uns alles zu erklären. Später auf der Fähre haben wir ihn wieder getroffen und er hat sich sogar dafür entschuldigt, dass sein Englisch nicht so gut sei. Wir kamen mit ihm ins Gespräch und er hat uns ein bisschen über seine Heimat erzählt.

Wenn du mit Einheimischen in Kontakt kommen willst, ist die Fähre nach Masirah perfekt. Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg waren wir die einzigen Touristen auf dem Schiff. Die Fähren fahren los, sobald sie voll besetzt sind. Die Fahrt dauert ungefähr 90 Minuten und kostet pro Wagen 10 Rial (ca. 25 Euro).

Fähre nach Masirah Island im Oman

Die Überfahrt nach Masirah ist ein wenig abenteuerlich und erfordert Geduld.

Fähre nach Masirah Island im Oman

Die Schiffe legen ohne festen Zeitplan ab, sondern dann, wenn sie voll beladen sind.

Kamel auf Fähre nach Masirah Island im Oman

Dafür trifft man auch schon mal auf ungewöhnliche Passagiere.

Übernachten im Masirah Beach Camp

Die Fähre legt in Hilf, der einzigen größeren Ansiedlung auf der Insel an. Wir kamen bereits am Nachmittag an – das wird dir aufgrund der beschwerlichen Anreise im Normalfall nicht anders gehen. Deswegen macht es Sinn, direkt die Unterkunft anzusteuern. Davon gibt es bisher nicht viele auf der Insel. Wie gesagt, noch ist Masirah ein Geheimtipp und es verirren sich wenige Touristen hierher. Wir haben uns für das Masirah Beach Camp entschieden, das ungefähr 25 Kilometer südlich von Hilf an der Westküste der Insel an einer langgezogenen Bucht liegt. Diese bietet Surfern wohl vor allem im Sommer zur Monsunzeit optimale Bedingungen – weswegen sich die die Insel in den letzten Jahren zu einem Insider-Spot gemausert hat.

Vor allem Kitesurfer kommen während der Saison ins Masirah Beach Camp. Ich kann es nicht bestätigen, denn bei unserem Besuch sind wir fast die einzigen Gäste – keine Surfer weit und breit. Außer uns ist nur noch ein Biker aus Venezuela mit seinem Zelt vor Ort. Angeblich hat das Camp früher mal einem Deutschen gehört, inzwischen ist es in omanischer Hand. Das Camp befindet sich einige Kilometer abseits der Straße, man fährt ab der Ausschilderung über eine trockene Sand- und Lehmpiste, quasi querfeldein und erreicht nach einigen Minuten das Camp. Es liegt gefühlt irgendwo im nirgendwo. Nur einige Stallungen mit Kamelen befinden sich als Spuren der Zivilisation in Sichtweite.

Das Camp besteht aus vielen bunten Holzhäuschen und einigen besfestigten Hütten. Die Hütten sind mit eigenem Bad und Klimaanlagen ausgestattet. Wer will, kann aber auch sein eigenes Zelt aufschlagen.

Ausschilderung zum Masirah Beach Camp im Oman

Von der Hauptstraße weist dieses Schild den Weg zum Camp.

Bunte Holzhütten im Masirah Beach Camp im Oman

Die Anlage besteht aus vielen kleinen bunten Holzhütten.

Blick auf das Masirah Beach Camp im Oman

Zur Hauptsaison kommen viele Kitesurfer ins Masirah Beach Camp. Anfang März waren wir fast die einzigen Gäste.

Zu Fuß erreichst du nach wenigen Minuten den Strand. Wenn du nachmittags ankommst, nutze die letzten Sonnenstrahlen für einen kleinen Spaziergang rund um das Gelände. Am Strand kannst du tolle Muscheln sammeln und einen wildromantischen Sonnenuntergang genießen. Abends kocht ein Angestellter des Camps, bei uns gibt es frischen Fisch mit Salat und Reis. Wir sitzen in geselliger Runde mit dem Biker aus Venezuela zusammen und unterhalten uns über unsere Reiseerfahrungen – wir sind umgeben von gespenstischer Stille, nur manchmal vernimmt man ein leises Meeresrauschen.

Strand am Masirah Beach Camp im Oman

Das Camp liegt mitten im Nichts, aber nur wenige Meter vom Strand entfernt.

Strand am Masirah Beach Camp im Oman

Der Strand lädt zu einem Spaziergang am Wasser ein.

Strand am Masirah Beach Camp im Oman

Du kannst hier vor allem bei Ebbe sehr gut Muscheln sammeln…

Sonnenuntergang am Masirah Beach Camp im Oman

…und einen tollen Sonnenuntergang genießen.

Mir hat die Atmosphäre im Masirah Beach Camp super gefallen: An einem einsamen Wüstenstrand in totaler Abgeschiedenheit, umgeben von unendlicher Weite. Einfach nur beeindruckend! Das Masirah Beach Camp lässt sich seine tolle Lage und die mangelnde Konkurrenz gut bezahlen. Wie so oft im Oman, ist es auch hier nicht günstig: Eine Übernachtung in einer der befestigten Hütten kostet für zwei Personen mit Abendessen und Frühstück 42 Rial, also etwas über 100 Euro.

Mit dem Auto einmal rund um die Insel

Wir müssen nach einer Nacht im Masirah Beach Camp leider wieder zurück auf’s Festland, weil wir einen engen Zeitplan haben. Damit sich der Abstecher nach Masirah richtig lohnt, macht ein Aufenthalt von zwei Nächten allerdings mehr Sinn. Dann hast du noch einen kompletten Tag auf der Insel, den du nutzen kannst, um Masirah einmal zu umrunden. Es gibt eine Straße, die komplett um das Eiland herumführt. Die meiste Zeit verbringst du allein in der Einsamkeit der Wüsteninsel, denn dir wird fast kein Verkehr entgegenkommen.

Im Osten der Insel gibt es einige Schildkrötenbrutplätze, die einen Besuch wert sind. Ebenfalls an der Ostküste liegt das Masirah Island Resort, die eher hochklassige Alternative zum Masirah Beach Camp. Unser Freund aus Venezuela hat erzählt, dass man dort sehr schön auf der Terasse sitzen und Bier trinken kann. Es gibt fast nirgendwo Bier im Oman, ich habe während meiner Reise kein einziges getrunken. Also, falls du da vorbeikommst: Cheers! Ebenfalls einen Besuch lohnt der Jabal Madrub, mit 256 Metern die höchste Erhebung auf Masirah Island. Wanderfreunde können den Gipfel über einen Pfad am Bergrücken erklimmen.

Straße auf Masirah Island im Oman

So einsam ist es meistens, wenn du mit dem Auto die Insel umrundest.

Du planst auch eine Reise in den Oman? Dann wirf einen Blick auf meine anderen Texte über dieses außergewöhnliche Land:

Roadtrip durch den Oman: Unterwegs im Land der Forts, Kamele und Wadis

Jebel Shams und Wadi Ghul – Diese Abenteuer erwarten dich am Grand Canyon des Oman

Wandern im Wadi Shab: Auf der Suche nach dem verborgenen Wasserfall

Wichtige Basisinfos über den Oman erfährst du in meinem Reiseguide Oman.

You Might Also Like

Hinterlass mir einen Kommentar