Oman

28. März 2017 , von

Jebel Shams und Wadi Ghul: Abenteuer am Grand Canyon des Oman

Blick von einem Aussichtspunkt am Jebel Shams im Oman

Der Jebel Shams ist mit knapp 3000 Metern der höchste Berg im Oman. Zu seinen Füßen erstreckt sich das Wadi Ghul, das häufig als der Grand Canyon des Oman bezeichnet wird. Wer einen kleinen Kick auf seiner Reise durch den Oman sucht, ist hier richtig, denn die Gegend bietet einige Möglichkeiten für aufregende Unternehmungen – allen voran eine Wanderung auf dem Balcony Walk. Ich zeige dir in diesem Artikel, welche Abenteuer ich im Wadi Ghul und auf dem Jebel Shams erlebt habe.

Wie kommst du hin?

Ausgangspunkt für Fahrten zum Jebel Shams ist Al Hamra. Die Stadt liegt eine knappe Autostunde von Nizwa entfernt. In Al Hamra ist der Weg zum Jebel Shams bereits ausgeschildert, folge einfach den braunen Schildern. Die Straße zum Jebel Shams ist zunächst befestigt. Nach ungefähr 15 Kilometern erreichst du die Abzweigung ins Wadi Ghul. Auf den Schildern wird der Weg nach Al Nakhar gewiesen, dort musst du die Hauptstraße verlassen. Kurz nach dem Abzweig zum Wadi Ghul beginnt der eigentliche Anstieg zum Jebel Shams. Zunächst ist die Straße noch asphaltiert und windet sich in Serpentinen mit teilweise zeimlich steilen Passagen den Berg hinauf.

Nach einigen Kilometern wird aus der Straße eine staubige Schotterpiste. Mir sind auf der gesamten Strecke einige Autos entgegengekommen, dann kann es schon mal ein bisschen eng werden. Dafür boten sich mir unterwegs immer wieder grandiose Ausblicke auf die schroffe Berglandschaft. Ich würde den Jebel Shams nur mit einem Geländewagen, bestenfalls mit Allradantrieb, befahren. Mir sind auf dem Weg einige Einheimische mit Sportwagen begegnet, die auf halber Strecke umgekehrt sind, was im Interesse ihrer Autos sicherlich die richtige Entscheidung war.

Was kannst du im Wadi Ghul und auf dem Jebel Shams erleben?

Der Abstecher ins Wadi Ghul in ein richtiges Offroad Abenteuer. Direkt nach dem Abzweig von der Hauptstraße wird die Straße zu einer immer gröber werdenden Schotterpiste. Auf der linken Seite passiert man das verlassene Dorf Ghul, direkt dahinter geht es hinein in die Schlucht. Die Beschaffenheit des Weges wird immer schlechter und die Schlucht immer enger. Die Strecke führt durch ein ausgetrocknetes Flussbett, das aus Steinen und Kies besteht und der Unterseite des Wagens Schläge verpassen kann.

Ich rate dir, sehr langsam und vorsichtig zu fahren! Die Strecke ist wirklich nichts für schwache Nerven, aber die Mühe lohnt sich. Es geht vorbei an palmengesäumten Bewässerungskanälen, links und rechts ragen hunderte Meter die Felswände nach oben. Nach ungefähr fünf Kilometern erreicht man das kleine Dorf Al Nakhar. Wenn du es soweit schaffst, hast du das Wadi Ghul bezwungen. Ich gebe zu, an einigen Stellen war mir auf der engen, grobsteinigen Kiespiste etwas mulmig zumute, aber letztendlich möchte ich die Erfahrung nicht missen.

Überblick über Wadi Ghul im Oman

Der Weg durch das Wadi Ghul führt über ein ausgebtrocknetes Flussbett.

Ein Geländewagen im Wadi Ghul im Oman

Der Allradantrieb unseres Geländewagens würde auf eine harte Probe gestellt.

Vom Plateau des Jebel Shams kannst du fantastische Blicke hinab ins Wadi Ghul genießen. Am Rande der Straße gibt es einige, notdürftig mit Zäunen abgesicherte Aussichtspunkte, hinter denen es direkt in die Tiefe hinab geht. Alleine schon für die tollen Ausblicke lohnt sich die Anfahrt auf den Jebel Shams. Ich empfehle dir jedoch, ein wenig länger zu bleiben und die Bergwelt bei einer Wanderung näher zu erkunden. Es gibt einige gut markierte Wanderwege, unter anderem die Route W4, die dich bis auf den Gipfel des Jebel Shams führt. Mit dem Auto kann er nicht befahren werden, da er militärisches Sperrgebiet ist.

Blick von einem Aussichtspunkt am Jebel Shams im Oman

Die Aussichtspunkte am Jebel Shams sind eher notdürftig abgesichert.

Blick von einem Aussichtspunkt am Jebel Shams im Oman

Die Gegend nennt sich „Grand Canyon des Oman“ – die Ähnlichkeiten mit dem Original sind unübersehbar.

Marc Möllmann am Jebel Shams im Oman

Ich war mutig und habe mich bis an den Rand getraut für dieses Foto.

Der Höhepunkt: Wandern auf dem Balcony Walk

Mein großes Highlight war der Wanderweg W6, der so genannte Balcony Walk – für mich eines der Must-Dos im Oman. Du erreichst den Ausgangspunkt der Wanderung, in dem du der Straße hinter den Aussichtspunkten bis zum Ende folgst. Nachdem sie auf dem Plateau wieder für einige Kilometer geteert war, ist der letzte Abschmnitt eine ruckelige Staubpiste. Du gelangst zu einem kleinen Parkplatz an einer Ansiedlung. Keine Angst, das kann man nicht verfehlen.

Am Parkplatz gibt es eine Tafel, die den Wanderweg beschreibt – theoretisch. In der Praxis ist das Metallschild leider komplett verblichen und man kann nur erahnen, was da mal drauf abgebildet war. Das ist aber nicht weiter schlimm: Direkt hinter dem Parkplatz befindet sich der Einstieg in den Wanderweg, dort hältst du dich links und folgst ab da einfach immer dem Pfad. Zur Orientierung sind an Steinen und Bäumen immer wieder rot-gelbe markierungen aufgemalt. Der Weg ist unglaublich spektakulär, er führt durchgängig eng an der Schlucht entlang und die Szenerie ist atemberaubend. Am Ende des Balcony Walk liegt ein verlassenes Dorf. Hier haben bis vor einigen Jahrzehnten wohl bis zu 15 Familien in der Abgeschiedenheit der Berge gewohnt. Heute ist hier niemand mehr, höchstens ein paar Bergziegen.



Was mir sehr gut gefallen hat, war die Ruhe auf der gesamten Wanderung, denn uns sind auf der Strecke nur eine handvoll Leute begegnet. Du solltest für die Wanderung auf dem Balcony Walk drei bis vier Stunden einplanen. Die Strecke ist nicht schwierig und erfordert keine besondere Kondition. An einigen Stellen musste ich allerdings ein wenig Kraxeln, deswegen empfehle ich Schwindelfreiheit und Trittischerheit.

Blick vom Balcony Walk ins Wadi Ghul im Oman

Auch vom Balcony Walk hat man einen atemberaubenden Blick hinab ins Wadi Ghul.

Blick vom Balcony Walk ins Wadi Ghul im Oman

Der Ausblick ist allerdings nur etwas für Schwindelfreie.

Blick auf ein verlassenes Dorf am Balcony Walk im Oman

Der Balcony Walk endet an einem verlassenen Dorf.

Blick auf ein verlassenes Dorf am Balcony Walk im Oman

Hier haben bis vor einigen Jahrzehnten noch mehrere Familien gewohnt.

Eine Bergziege auf dem Balcony Walk im Oman

Heute leben hier nur noch Bergziegen.

Wo kannst du auf dem Jebel Shams übernachten?

Am Besten du wanderst morgens oder am Nachmittag auf dem Balcony Walk, um der prallen Mittagssonne zu entgehen – die würde ich nicht unterschätzen! Dafür solltest du am Jebel Shams übernachten. Es gibt auf dem Plateau zwei Unterkünfte: Das Jebel Shams Resort und das Sama Heights Resort. Beide liegen direkt an der Straße und sind auch von unterwegs ausgeschildert. Ich habe eine Nacht im Sama Heights Resort verbracht. Wir haben in einem Zelt geschlafen. Wobei der Begriff Zelt irreführend ist: Es gab richtige Betten und jedes Zelt hat eine eigene Duschzelle.

Nachts kann es hier oben richtig kalt werden, wir haben in unserem Zelt deswegen geheizt. Die Übernachtung hat mit Abendessen (indisch angehauchtes Büffet) und einem eher einfachen Frühstück stolze 45 Rial gekostet, das sind ungefähr 110 Euro. Ich würde es trotzdem jederzeit wieder machen, weil es wirklich ein tolles Erlebnis war, den Balcony Walk am Morgen zu begehen. Wer mehr Komfort wünscht, kann im Sama Heights Resort auch in einer richtigen Hütte mit Veranda und Berglick übernachten, das kostet dann aber auch entsprechend noch mehr.

Zelte Im Sama Heights Resort im Oman

In einem dieser Zelte haben wir am Jebel Shams übernachtet.

Sama Heights Resort 2, Oman

Es gibt im Sama Heights Resort aber auch Blockhütten – allerdings zu deutlich höheren Preisen.

 

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Wandern im Wadi Shab: Auf der Suche nach dem verborgenen Wasserfall

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