Polen Städtereisen

15. April 2018 , von

Tipps für einen Städtetrip nach Danzig: Die entspannteste Stadt in Polen

Blick auf die Altstadt von Danzig

Ich bin ohne große Erwartungen im Januar 2018 nach Danzig gefahren. Die Stadt ist nicht das typische Ziel für einen Städtetrip wie London, Rom oder Paris. Und auch in Polen zieht es die meisten Touristen erstmal eher nach Warschau oder Krakau. Wie kam es also dazu, dass es mich nach Danzig verschlagen hat? Ich habe mich mit einer Gruppe von Freunden für die Reise entschieden, weil wir einen möglichst preiswerten Trip über’s Wochenende machen wollten. Danzig hat mich in den drei Tagen positiv überrascht. Die Stadt war schöner als ich sie erwartet habe. Und billiger. Und nasser.

Vorplanung und Organisation für den Trip nach Danzig

Schon bei der Planung habe ich vermutet, dass für einen Danzig-Besuch zwei bis drei Tage absolut ausreichen. Die Stadt bietet durchaus Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, diese sind allerdings begrenzt. Es gibt eine Handvoll an Sehenswürdigkeiten, das Angebot an Cafés, Restaurants und Bars ist dagegen deutlich größer. All das ist an einem Wochenende gut zu erledigen.

Bei der Unterkunftssuche habe ich schnell gemerkt, dass sich AirBnB  in Danzig total lohnt. In der Stadt wird gerade viel neu gebaut. Es gibt schöne, moderne Wohnungen zu fast lächerlich billigen Preisen. Wir wohnten zu sechst in einem AirBnb für 25€ pro Nacht pro Person – mit drei Schlafzimmern, Wohnzimmer, zwei Bädern, guter Lage und perfekter Ausstattung. Auf solchem Niveau findest du ganz viele Angebote.

Anreise und Orientierung in der Innenstadt

Danzig liegt an der Ostseeküste, also am nördlichen Rand von Polen. Mit dem Flugzeug ist die Stadt von Deutschland aus gut zu erreichen. Wizz Air und Lufthansa fliegen direkt nach Danzig (Stand: März 2018). Die Anbindung vom modernen Flughafen ist super. Mit der Bahn dauert es 30-40 Minuten bis in die Innenstadt. Schon beim Ticketkauf bemerke ich eine der erfreulichsten Sachen an Polen: Das wird nicht teuer hier – so hatten wir es uns im Vorfeld erhofft! Die Fahrt kostet gerade mal etwas über sechs polnische Zloty, was ungefähr 1,50 Euro sind.

Bahnhof Gdansk Glowny

Das erste, was man in der Stadt sieht, ist der Bahnhof Gdansk Glowny. Die Orientierung fällt in Danzig leicht.

Danzig lässt sich während eines Kurztripps recht stark auf einen spannenden Bereich eingrenzen: Die Altstadt. Der Bahnhof „Gdansk Glowny“ bildet sozusagen die nordwestliche Grenze des Bereichs. Die ehemaligen Stadttore und -mauern umringen die Altstadt, im Inneren schlängeln sich kleine Straßen durch das Gebiet. Die Altstadt ist nicht besonders groß, aber unheimlich schön. Die Häuser erstrahlen in kräftigen Farben, sind mit Stuck verziert und haben kunstvoll gestaltete Dachgiebel.

Egal was man macht, die positive preisliche Überraschung bleibt: Cappuccino zwei Euro, gut Essen gehen mit Drinks 15 Euro, Postkarte 50 Cent. Gleiches gilt für die Schönheit der Stadt. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, wie ich dachte: „Oh, das hätte ich mir gar nicht so cool vorgestellt“.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Altstadt, Solidarność & Westerplatte

Drei Sehenswürdigkeiten für Danzig will ich dir besonders ans Herz legen. Zuerst wäre da die bereits genannte Altstadt. Die ist vor allem sehr schön anzuschauen. Du kannst problemlos mehrere Stunden damit verbringen, durch die serpentinenartig verlaufenden Straßen und Gassen zu schlendern. Dort findet man süße kleine Häuser nebeneinander gereiht. Außerdem gibt es zahlreiche Cafés und Restaurants und diverse historische Kirchen (nicht mein Ding, aber wer drauf steht, wird hier was finden). Ein besonderer Tipp ist die Mariacka-Straße. Wir nannten sie auf unserer Reise nur „Amber Street“, also Bernsteinstraße. Ganz Danzig ist voll mit Bernsteinschmuck, die Mariacka-Straße besteht ausschließlich aus Läden, die ihn anbieten. Absurder Anblick!

Schlendern durch die Altstadt von Danzig

Die Altstadt von Danzig lädt zum Schlendern und Spazieren ein. Die Häuser sind prachtvoll und bunt.

Danzig bei Nacht

Auch wenn es in Danzig oft regnet, ist die Stadt wunderschön. Es gibt ihr sogar eine romantische Atmosphäre.

Das Europäische Zentrum der Solidarność ist das spannendste und schönste Museum in Danzig. Das Thema klingt erstmal etwas langweilig: Der Aufstand der polnischen Arbeiter in den 1970er Jahren und die Formierung einer Arbeitergewerkschaft, die von der damaligen kommunistischen Regierung mit Gewalt bekämpft wurde. Polnische Geschichte – harte Kost! Aber das Museum ist komplett neu, interaktiv aufgebaut und die Story von Lech Walesa, der später auch polnischer Präsident wurde, und seinen Kollegen, deren Aufstand in der Werft direkt vor dem Museum begann, wird sehr spannend erzählt. Ich hatte zuerst überlegt, ob ich mir das Museum überhaupt angucken sollte. Am Ende bin ich mehr als froh, das gemacht zu haben. Gerade bei schlechtem Wetter eine gute Möglichkeit, um in Danzig etwas zu unternehmen außer nur Kaffee zu trinken.

Überblick Solidarnosc Museum Danzig

Das spannendste Museum in Danzig ist das über den Aufstand der Arbeiterbewegung „Solidarność“. Vor allem die moderne Aufmachung ist beeindruckend.

Nils Werschnik im Solidarność Museum Danzig

Auch wenn das Thema hart ist, habe ich mich mehrere Stunden in dem Museum aufgehalten.

Meine dritte Empfehlung ist die Westerplatte, der Küstenabschnitt, an dem 1939 der zweite Weltkrieg begann. Leider konnte ich selbst nicht dorthin fahren, da uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte. Der Ort ist jedoch historisch spannend und darüber hinaus der einzige Küstenabschnitt in Danzig. Ein bisschen Meerluft schnuppern geht ja immer!



Restaurantempfehlungen: Pieroggen, Fleisch & Bier

Die erste Essensempfehlung in Polen muss immer ein Piroggen-Restaurant sein. Und das ist für mich in Danzig eindeutig die Pierogarnia Mandu. Hier gibt es wirklich jede vorstellbare Form von Piroggen. Natürlich die Klassiker mit Fleischfüllung oder vegetarischer Füllung. Aber auch mit Ente. Oder mit Birne, mit Lachs, mit scharfer Peperoni oder mit Wildschwein. Und das gekocht oder gedämpft oder als Nachspeise mit süßer Füllung. Aber Achtung: Das macht den Laden zum beliebtesten Restaurant in ganz Danzig. Unbedingt vorher reservieren, gerade wenn man mit mehr als zwei Leuten kommt!

Pieroggen

Danzig ohne den Besuch in einem Pieroggen-Restaurant geht nicht. Das beste Essen Polens ist ein Muss.

Tipp Nummer Zwei ist Restauracja Bazar. Erstmal ist die Lage ganz cool. Direkt am Ufer des Martwa Wisla, dem Fluss, der durch Danzig fließt. Aber weiter östlich als die restlichen Highlights in der Stadt. Eher nicht die Ecke, in der man sich sonst in Danzig bewegt. Was eigentlich aber schade ist – der Blick auf die Stadt ist von hier nämlich fast am Schönsten. Das Restaurant selbst bietet für Polen gehobene und teure Küche. Keine Angst, das heißt selbst hier, dass du für 20-25€ eine gute Vorspeise, Hauptspeise und Getränke bekommst. Sehr gut ist im Restaurant übrigens auch der Kellner. Der gibt nicht nur Tipps, sondern liegt auch noch komplett richtig damit. Unbedingt auf ihn hören!

Die besten Bars: stilvoll & gemütlich

Auch abends rauszugehen, ist in Danzig problemlos möglich. Die Stadt bietet eine große Auswahl an Bars. Für mich gibt es jetzt nicht die eine Bar, in der man unbedingt gewesen sein muss. Aber es gibt ganz coole Möglichkeiten, nett etwas zu trinken, wie zum Beispiel Mala Sztuka direkt am Wasser. Die Cocktailbar liegt in einem Keller. Du kommst nur von der Wasserseite durch die Tür. Die Idee des Ladens besteht darin, Cocktails mit einer eigenen Geschichte zu verkaufen. Dazu passend ist die Bar auch dekoriert. So ein bisschen im Piraten-Look mit kleinen Deko-Papageien und Holzfässern. Nach der Bestellung kommt dann ein mit einer Karnevalsmaske verziertes Glas, eine Schatzkiste aus der Rauch aufsteigt mit einem Cocktail drin oder ein je nach Vorliebe individuell veränderbarer Drink. Auf jeden Fall eine schöne Idee.

Cocktails im Mala Sztuka

Die Barszene in Danzig ist überraschend vielfältig. Die beste Cocktailbar in der Stadt ist das Mala Sztuka.

Ebenfalls empfehlenswehrt ist das Cathead, das praktischerweise gleich neben der Cocktailbar liegt. Es ist einer dieser angesagten Craft Beer Läden, in denen man diverse Biersorten auf einer großen Tafel über der Theke findet und einfach eine davon ausprobiert. Und dann die nächste und dann die nächste! Vermutlich die beste Möglichkeit, gutes lokales und internationales Bier in Danzig zu trinken.

Cafés – Kultur & Kuchen

Ein gutes Café in Danzig zu finden, ist super einfach. Die Stadt ist praktisch dafür gemacht, sich irgendwo einen Kaffee auf die Hand zu holen und durch die Straßen zu laufen. Oder sich zwischendurch mal eine Pause bei einem leckeren Stück Kuchen zu gönnen.

Mein Top-Tipp ist Jozef K. Es gibt Kuchen, es gibt frisch zubereitete Limonade, es gibt Kaffee, Cappuccino und „Coffee for a person crushed by life“ – hilft bei Kater wirklich, ich hab’s probiert. Das Highlight ist aber der Aufbau des Cafés. Man ist die ganze Zeit damit beschäftigt, sich umzuschauen. Verrückte Sitzplätze auf kleinen Gängen gibt’s mehrfach. Zum Beispiel einen einzelnen Platz hinter der Bar für den man eine kleine Treppe hochgehen muss. Oder direkt drüber im ersten Stock einen Zweiertisch, den man über einen gefühlt frei in der Luft hängenden Gang erreicht. Der sieht ein bisschen aus wie der Skywalk im Grand Canyon. Jeder Stuhl sieht anders aus, überall verlaufen Rohre und das Café, das abends eine Bar ist, riecht immer leicht nach Alkohol und Party. Ein bisschen absurd, ein bisschen spannend.

Jozef K - ein typisches Café in Danzig

Das Highlight im Café „Jozef K“ ist der Aufbau. Die Sitzplätze sind verteilt auf zwei Ebenen und führen durch kleine, konstruierte Gänge bis direkt über die Bar.

Mir haben die drei Tage in Danzig super gefallen, auch wenn ich vorher keine großen Erwartungen hatte. Meine Freunde und ich hatten eine tolle und super entspannte Zeit und wir haben dabei nicht allzu viel Geld ausgeben müssen. Ein lohnenswertes Ziel für einen Wochenendtrip!

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3 Comments

  • Reply Torsten | upandaway.de 14. Juni 2018 at 20:14

    Hallo Nils!

    Schade, dass es mit dem Wetter bei euch nicht so geklappt hat. Aber das wäre ja schon wieder ein Grund mehr noch einmal nach Danzig zu reisen.

    Aaah, sehr cooler Bar-Tipp mit dem Café Josef K … hätte ich den mal gewusst! Leider bin ich einfach so daran vorbeispaziert. Naja, vielleicht treibt es mich ja irgendwann noch einmal nach Danzig – das ist zumindest nicht ausgeschlossen, da Danzig wirklich eine sehr empfehlenswerte Stadt ist. Und eigentlich auch so leicht erreichbar!

    Noch eine lustige Ergänzung, habe ich in meinem Blogpost über Danzig aber auch nicht aufgenommen:

    In Danzig gibt es die Straße Piwna, dort befindet sich unter anderem das Café Josef K. Und ja, wer eins der wichtigsten Wörter auf Polnisch kann, ahnt es bereits. In Danzig gibt es eine Bier Straße!

    Auf diesem Kurzem Abschnitt in der Altstadt von Danzig befinden sich viele Cafés und Bars, die wie Perlen auf einer Kette aneinandergereiht sind. Da findet mit Sicherheit jeder das passende Fleckchen!

    So, dann will ich es aber auch nicht zu lang werden lassen.

    Grüße, Torsten …

    PS: Pierogarnia Mandu – absolut empfehlenswert!!! Super lecker. Authentisch. Und günstig.

    • Reply Nils 14. Juni 2018 at 23:08

      super post bei dir!

      • Reply Torsten | upandaway.de 16. Juni 2018 at 8:25

        Guten Morgen Nils!

        Vielen Dank für dein Feedback zu meinem Danzig Post. Ich denke, dass unsere Leser sich mit beiden Beiträgen top auf ihre Reise nach Danzig vorbereiten können und dort in jedem Fall eine gute Zeit haben werden.

        Dir ein schönes Wochenende!

        Grüße, Torsten …

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