Jordanien

7. April 2019 , von

Zwei Tage in der Wüste: Mit Beduinen unterwegs im Wadi Rum

Jebel Burdah

Das Wadi Rum ist eine der spektakulärsten Wüstenlandschaften der Welt: Beeindruckende Felsformationen und schroffe Berge treffen auf weite Ebenen. Eine surreal anmutende Szenerie – und der perfekte Drehort für Science-Fiction-Filme. Oder für Wüstenepen wie den Klassiker „Lawrence von Arabien“. Es sieht zwar aus wie auf dem Mars, aber die Bewohner des Wadi Rum sind ganz und gar irdisch: Beduinen, die zum Teil noch so traditionell leben, wie sie es seit Jahrhunderten tun.

Wer ihren Lifestyle und die wunderschöne Landschaft einmal hautnah erleben möchte, kann im Wadi Rum mit Beduinen-Guides Touren und Wanderungen durch die Wüste unternehmen – und eine Nacht in einem Zeltcamp mitten im Nirgendwo verbringen. Genau das habe ich auf meinem Jordanien-Trip gemacht, und es war, im wahrsten Sinne des Wortes, atemberaubend. Hier kommt mein Erfahrungsbericht, verbunden mit einer ganz klaren Empfehlung: Falls es dich einmal nach Jordanien ziehen sollte, lass dir dieses unvergessliche Erlebnis nicht entgehen.

Startpunkt der Tour: Das Wadi Rum Village

Auf eigene Faust ins Wadi Rum zu fahren ist nicht erlaubt – der Zugang ist nur mit den örtlichen Beduinen möglich. Wer im Netz sucht, findet eine große Anzahl an Tourveranstaltern. Die meisten von ihnen betreiben eigene Camps in der Wüste und bieten Tagesausflüge oder mehrtägige Touren an. Eines haben alle Veranstalter gemeinsam: Ihre Trips starten morgens im Wadi Rum Village. Das Örtchen liegt einige Kilometer hinter dem Visitor Center, dem „offiziellen“ Eingangsportal ins Wadi Rum.

Am Visitor Center warten bereits viele Beduinen mit Geländewagen. Wer nicht schon vorab eine Buchung vorgenommen hat, kann hier noch kurzfristig einen Ausflug klarmachen. Wir folgen der Zufahrtsstraße aber noch bis zu ihrem Ende am Ortseingang des Wadi Rum Village. Hier befindet sich ein großer Parkplatz, an dem mein Bruder und ich unseren Guide Muhamad treffen. Er lotst uns noch ein paar Häuser weiter zum Büro von Bedouinroads, dem Anbieter, für den wir uns entschieden haben.

Wadi Rum Village

Der Blick aus unserem Geländewagen auf die Hauptstraße des Wadi Rum Village.

Wadi Rum Village

Das Ende der Zivilisation!

Eins schon mal vorweg: Alles hat super funktioniert, von der Kommunikation im Vorfeld bis zur Durchführung der Tour. Bedouinroads kann ich guten Gewissens weiterempfehlen! Am Büro können wir unseren Mietwagen abstellen und unsere Koffer wegschließen. Für unseren zweitätigen Trip nehmen wir nur das Nötigste in Rucksäcken mit. Nach einem kurzen Kennenlernen und einem Begrüßungstee sind wir startklar für unser Wüstenabenteuer!

Die erste Herausforderung: Die Besteigung des Burdah Arch

Muhamad ist ein netter und kommunikativer Kerl, der ganz passables Englisch spricht. Wo aus Deutschland wir genau herkommen, möchte er natürlich wissen! Gebürtig aus Dortmund, sagen wir. Er kennt den BVB – war ja klar. Aber er selbst ist Fan von Liverpool. Wegen Mohamed Salah, denn der sei im Moment schließlich der beste arabische Fußballer der Welt. Dann wäre das ja schon mal geklärt. Mit berauschendem Tempo lenkt Muhamad den Geländewagen durch den Wüstensand. Die Windschutzscheibe hat große Risse, eine Anschnallmöglichkeit gibt es leider nicht. Da hilft nur, sich gut festzuhalten. Das Ganze ist nämlich eine ruckelige Angelegenheit!

Geländewagen im Wadi Rum

Ich habe den Wagen liebgewonnen im Laufe der Tour.

Nach ungefähr einer halben Stunde Fahrzeit kommen wir am Fuße des Jebel Burdah an. Jebel ist arabisch und bedeutet Berg. Hier startet die erste Aktivität des Tages: Der Aufstieg zum Burdah Arch. Zusammen mit einer Reisenden aus Kanada, die hier noch zu uns stößt, beginnen wir die Wanderung. Wobei es sich eigentlich eher um eine Kletterpartie handelt. Es gibt keinen Weg, sondern Muhamad führt uns querfeldein durch das felsige Terrain.

View from Jebel Burdah

Auf dem Weg zum Burdah Arch.

Jebel Burdah Wadi Rum

Man beachte das Schuhwerk unseres Guides Muhamad.

Mit Hilfe von Händen und Füßen arbeiten wir uns immer weiter nach oben. Das ist eine Herausforderung, aber es macht tierisch Spaß! Und je höher wir kommen, desto besser werden die Ausblicke auf die Wüste. Kurz vor dem Ziel kommt dann sogar ein Seil zum Einsatz, um den letzten Felsspalt zu überwinden, bevor wir den Burdah Arch erreichen. Dabei handelt es sich um eine natürliche Felsbrücke, die sogar bestiegen werden darf. Weil sich jeden Tag nur wenige Touristen zum Burdah Arch verirren, ist dies hier im Wadi Rum noch erlaubt. Anders, als zum Beispiel im Arches-Nationalpark in den USA.

Climbing at Burdah Arch

Kurz vor dem Ziel.

Marc Möllmann auf dem Burdah Arch

Geschafft: Zeit für ein Erinnerungsfoto auf dem Arch!

View from Burdah Arch

Der Ausblick ist der Wahnsinn!

Oben auf der Brücke ist es ziemlich windig, dafür sind die Ausblicke wunderschön. Beeindruckende Felsen, Staub und Sand – soweit das Auge reicht. Und auch der ein oder andere grüne Sprenksler. Es ist März, und der Wüstenboden bietet zu dieser Jahreszeit Pflanzen einen guten Nährboden. Nach einer kurzen Erholungspause geht es schließlich wieder hinab ins Tal.

Jebel Burdah Wadi Rum

Auch der Abstieg ist eine Kraxelei…

Der Nachmittag: Wüstenlunch, Canyon-Walks und ein traumhafter Sonnenuntergang

Zurück am Auto verabschieden wir uns von der Dame aus Kanada und fahren mit unserem Geländewagen weiter durch die Wüste. Wir steuern ein Felsmassiv an, in dessen Schutz es Mittagessen geben soll. An dem Massiv treffen wir auf einen weiteren Beduinen-Guide und seine Schützlinge. Der Mann hat bereits angefangen, unser Essen vorzubereiten: Er befüllt einen großen Topf auf einer Feuerstelle mit frisch geschnittenem Gemüse und Fleischbällchen aus der Tüte. Das Ganze wird eine Art Köfte-Eintopf. Dazu gibt es Hummus aus dem Tetra-Pack, abgepacktes Brot und Baklava. Das klingt wenig glamourös, aber es hat super geschmeckt.

Beduinen kochen im Wadi Rum

Frisch aus der Wüstenküche…

Kamele im Wadi Rum

Kamele dürfen im Wadi Rum natürlich auch nicht fehlen.

Nach dem Essen geht unsere Tour mit Muhamad weiter. Wir fahren zum schönen Abu Khashaba Canyon, den wir zu Fuß durchqueren. Hier sieht man deutlich, das Frühling ist: Einige Pflanzen tragen tolle Blüten! Danach steht noch eine weitere Felsbrücke auf dem Programm, die Um Fruth Bridge. Mit dem Burdah Arch kann sie allerdings nicht mithalten. Sie ist weniger spektakulär und hier sind viel mehr Touristen aller Altersklassen unterwegs.

Marc Möllmann im Wadi Rum

Von dieser Anhöhe aus haben wir den Sonnenuntergang angeschaut.

Dafür ist der nächste Programmpunkt dann wieder ein Highlight: Muhamad bringt uns zu einer Anhöhe, von der wir einen grandiosen Blick auf den Sonnenuntergang haben. Wir sitzen auf den kühlen Steinen und beobachten, wie die Sonne langsam hinter dem felsigen Wüstenhorizont des Wadi Rum verschwindet. Zum Glück hatte ich meine GoPro für dieses schöne Zeitraffervideo dabei:

Ganz schön kalt: Die Nacht im Wüstencamp des Wadi Rum

Sobald die Sonne weg ist, wird es richtig kalt in der Wüste. Also steuern wir schnell das Camp von Bedouinroads an, das windgeschützt in einer Einbuchtung liegt. Es besteht aus abschließbaren Zelten, die mit Teppichen und richtige Betten ausgestattet sind. Es gibt sogar Licht und eine Steckdose. Außerdem existiert ein Gemeinschaftsbad mit Duschen und warmem Wasser. Im Camp ist wenig los, obwohl der März eigentlich Hauptreisezeit ist. Außer uns sind nur noch zwei weitere Gäste vor Ort. Nach dem Abendessen sind wir hundemüde, obwohl gerade einmal 20 Uhr ist. War dann wohl doch ein anstrengender Tag! Vorher genießen wir aber noch den Blick auf den Sternenhimmel, der ohne Lichtverschmutzung einfach ganz anders aussieht, als bei uns in Westeuropa.

Bedouinroads Camp Wadi Rum

Blick auf das Wüstencamp von Bedouinroads.

Schafe im Wadi Rum

Morgens zum Aufstehen hat uns diese Schafherde vor dem Zelt begrüßt.

Dann geht es ab ins Bett. Es ist gespenstisch still. Man hört nur den Wind und in der Ferne das Gebell von Hunden. Ein gut gemeinter Ratschlag für die Nacht im Wadi Rum: Nimm dir einen kleinen Schlafsack mit. Es gibt zwar Decken in den Zelten, aber keine Heizung. Nachts fallen die Temperaturen rapide, bei uns waren es nur noch ungefähr fünf Grad. Der Schlafsack hat uns wirklich geholfen, nicht zu frieren! Übrigens auch noch im weiteren Verlauf der Reise in Petra und im Wadi Dana.

Die zweite Herausforderung: Trekking auf dem Jebel Khash

Tag Zwei im Wadi Rum startet mit einem schnellen Frühstück, dann geht es direkt wieder los. Wir verlassen das Camp in Richtung Süden, nahe der Grenze zu Saudi-Arabien befindet sich das heutige Ziel: Der Jebel Khash. Bei Bedouinroads heißt dieser Tour-Baustein „The Khash Route“. Und er ist absolut lohnenswert: In diesen Bereich des Wadi Rum kommen nur sehr wenige Touristen. Wir sehen stundenlang nicht einen Menschen, das ist auch mal sehr schön! Wie schon am Vortag stellen wir den Geländewagen am Fuße des Berges ab und die Kletterei beginnt. Der Aufstieg hier ist noch etwas anstrengender als auf den Jebel Burdah.

Marc Möllmann Jebel Khash

Perfektes Wanderwetter.

Niclas Möllmann im Wadi Rum

Oder besser gesagt: Kletterwetter. Wie du siehst, gab es keinen Weg, wir sind einfach am Fels entlang…

Aber die Ruhe und die großartige Natur sind die Mühen wert. Unterwegs zeigt uns Muhamad alle möglichen Pflanzen, von denen sich die Beduinen in der Wüste ernähren: Wir dürfen Wüstenminze probieren und er gräbt für uns einen Pilz aus, der nach roher Kartoffel schmeckt.

Beduine im Wadi Rum

Muhamad gräbt für uns einen Pilz aus. Der Geschmack war eher gewöhnungsbedürftig.

Nach zwei Stunden Aufstieg machen wir schließlich eine längere Pause. Wir sind platt, aber unser Guide will noch weitere Pilze suchen und verschwindet irgendwo im Felsenmeer – für bestimmt 20 Minuten. Da sitzen wir plötzlich mutterseelenallein irgendwo im Niemandsland zwischen Jordanien und Saudi-Arabien. Unheimlich und wunderschön zugleich!

Jebel Khash

Irgendwo in diese Richtung liegt Saudi-Arabien…

Jebel Khash

In diesem Felsenmeer ist unser Guide einfach so verschwunden.

Muhamad kommt glücklicherweise zurück und wir beginnen unseren Abstieg. Er scheint es jetzt ziemlich eilig zu haben und geht zügig vorne weg. Zwischendurch schießt er noch Selfies von sich, zusammen mit einem Blumenstrauß, den er unterwegs gepflückt hat. Den letzten Teil des Abstiegs sind wir auf uns gestellt, weil Muhamad schon mal den Wagen holen will. Vorsichtig bahnen wir uns einen sicheren Weg über das felsige Terrain. Einen Großteil der Zeit verbringen wir kletternd im Sitzen!

Marc Möllmann im Wadi Rum

Auch während des Abstiegs bieten sich großartige Perspektiven.

Der Abschluss: Mittagessen im Beduinenzelt

Bevor es zurück in die Zivilisation geht, steht ein weiteres Mittagessen an. Dieses mal bei Leuten, die auch wirklich in der Wüste leben. Wir sitzen in einem ihrer Zelte auf durchgelegenen Matratzen. Vor dem Zelt steht eine Ziege, es riecht nach Rauch und Fliegen schwirren durch die Luft. Schwer vorstellbar, so zu leben. Weder im Winter, wenn es nachts auch mal in Richtung Gefrierpunkt geht, noch im Sommer, wenn die Temperaturen die 40-Grad-Marke knacken. Eine ältere Dame kocht für uns erneut einen Eintopf, dazu gibt es warmes, frisch gebackenes Fladenbrot. Und das hat richtig genial geschmeckt!

Mittagessen im Wadi Rum

Yummie – vor allem das Brot war spitze.

Nach dem Essen fahren wir schließlich zurück zum Wadi Rum Village. Am Nachmittag von Tag Zwei sind wir zurück an unserem Mietwagen und es wird Zeit, Abschied zu nehmen. Für uns geht es weiter nach Petra, im Gepäck haben wir bleibende Erinnerungen an unser kleines Wüstenabenteuer!

Marc & Niclas Möllmann im Wadi Rum

Noch schnell ein Erinnerungsfoto vor unserem Jeep!

Anreise und beste Reisezeit für einen Trip ins Wadi Rum

Das Wadi Rum ist ein Muss auf jeder Jordanien-Rundreise. Am Besten ist es mit dem Auto von Aqaba (60 Minuten) oder Petra/Wadi Musa (90 Minuten) zu erreichen. Die Touren mit den Beduinen starten normalerweise morgens zwischen 9 und 10 Uhr. Von diesen beiden Orten kannst du am gleichen morgen anreisen. Es gibt laut dieser Homepage auch Busverbindungen.

Wer von weiter weg anreist, kann auch individuell eines der vielen Camps buchen, bei Booking.com* findest du eine große Auswahl. Die Camps werden dich nach der Buchung kontaktieren und mit dir die Abholung vom Wadi Rum Visitor Center organisieren.

Die beste Zeit, um das Wadi Rum zu besuchen ist im Frühling zwischen März und Mai. Tagsüber ist es dann sonnig und meist angenehm warm, es regnet nur selten. Außerdem ist zu dieser Jahreszeit die Wüste am Lebendigsten, weil viele Pflanzen blühen. Ebenfalls angenehm ist das Klima im Herbst zwischen September und November. Die Bedingungen sind dann ähnlich, nur ohne die Pflanzenvielfalt. Das Wüstenklima ist extrem: Im Sommer ist es bei um die 40 Grad deswegen zu heiß für Aktivitäten aller Art. Im Winter sind die Temperaturen mit 10 bis 15 Grad tagsüber zwar zum Wandern geeignet, aber nachts fallen sie bis zum Gefrierpunkt. Da gilt dann wieder: Unbedingt einen eigenen Schlafsack und dicke Klamotten mitbringen. Der Veranstalter Wadi Rum Nomads versucht auf seiner Homepage, einen Besuch im Winter schmackhaft zu machen.

Wadi Rum

Bye, bye Wadi Rum!

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