Asien Myanmar

24. Mai 2020 , von

Geheimtipp Bago: Tempel-Hopping in Myanmars unterschätzter Perle

Die 4 Buddhas in Bago

Von allen Orten auf meiner Myanmar Rundreise hat mich Bago vielleicht am meisten fasziniert. Die alte Hauptstadt des Volksstamms der Mon hat knapp 250.00 Einwohner, wirkt aber trotzdem wie ein großes wuseliges Dorf. Mittendrin: Unzählige sehenswerte Tempel und Pagoden, einige von ihnen zählen zu den schönsten in Myanmar.

Bago liegt nur ungefähr 80 Kilometer von Yangon entfernt. Trotzdem treffen wir auf unserer Tour durch die Stadt kaum Touristen an. Noch scheint Bago ein kleiner Geheimtipp zu sein, der nicht bei jeder Myanmar Rundreise auf dem Tourplan steht. Und genau darin liegt der Reiz: So können wir die vielen Tempel nahezu ungestört erkunden und in die spirituelle Atmosphäre eintauchen. Unter anderem gibt es die höchste Pagode in Myanmar und den zweitgrößten liegenden Buddha der Welt zu bestaunen. Tempelhopping vom Feinsten und eines meiner absoluten Highlights in Myanmar.


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Bago at Sunset

Bago: Anreise und Übernachten

Wir brechen morgens um 8 Uhr nach Bago auf. Unser Hotel in Yangon hat uns für ungefähr 30 Euro einen Fahrer organisiert. Aufgrund seiner Nähe zu Yangon eignet sich Bago sowohl als Ziel für einen Tagesausflug, aber auch auch als Zwischenstopp auf dem Weg zum Golden Rock oder nach Hpa-An. Weil die Straßen in Myanmar kein hohes Tempo zulassen und rund um Yangon der Verkehr sowieso chaotisch ist, benötigen wir für die 80 Kilometer lange Fahrt ungefähr zwei Stunden.

Es gibt auch die Möglichkeit, am frühen Morgen mit dem Zug von Yangon nach Bago zu fahren. Dafür musst du ein bis zwei Tage im Vorfeld in Yangon am Central Railway Ticket Office nahe des Hauptbahnhofs einen Fahrschein kaufen. Die Fahrt kostet nur wenige Euros – in unserem Fall war sie am Tag vorher aber leider ausgebucht. Vielleicht hast du ja mehr Glück!

Wir haben uns dazu entschieden, in Bago zu übernachten. Und unsere Unterkunft The Pegu Lodge ist ein Volltreffer. Ein schönes, im Kolonialstil gestaltetes Haus am Ortsrand mit großen, sauberen Zimmern und ganz tollem Personal. Eine der Mitarbeiterinnen spricht sogar Deutsch. Sie ist direkt Feuer und Flamme, als sie realisiert, dass wir aus Deutschland kommen. Voller Eifer erklärt sie uns, was wir unbedingt ansehen müssen und ruft einen Fahrer, der uns zu den wichtigsten Punkten der Stadt bringen soll.

The Pegu Lodge in Bago

Alternativ kann Bago auch per Fahrrad auf eigene Faust erkundet werden – das wäre die zeitintensivere Low-Budget-Lösung. Weil wir aber nur einen Tag zur Verfügung haben und so viel wie möglich sehen wollen, haben wir uns für die bequemere und schnellere Variante entschieden. Trotzdem sind wir dann ziemlich überrascht, als uns ein weißes Taxi abholt. Wir hatten mit einem TukTuk gerechnet. Dafür „müssen“ wir noch eine junge Mitarbeiterin des Hotels mitnehmen, die mit uns ihre Englischkenntnisse üben soll. Am Ende eine Win-Win-Situation für beide Seiten, denn die junge Frau kann uns ein paar Dinge rund um die Pagoden erklären.

Street Life in Bago

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Bago

Die 4 Buddhas der Kyaikpun-Pagode

Der erste Stop unserer Tempel-Hopping-Tour liegt ganz im Süden von Bago. Das Markenzeichen der Kyaikpun-Pagode sind vier riesige Buddhas, die Rücken an Rücken sitzend in alle Himmelsrichtungen blicken. Die Statuen sind jeweils 27 Meter hoch. Eine imposante Erscheinung. Außer uns ist fast niemand vor Ort. Also schlendern wir barfuß durch die Pagode und genießen die Ruhe. In Myanmar darf keine heilige Stätte mit Schuhen oder Socken betreten werden!

Die 4 Buddhas in Bago
Buddha-Schrein in Bago
4 Buddhas in Bago

Am Eingang der Kyaikpun-Pagode müssen wir einmalig einen Eintrittspreis von 10.000 Kyats bezahlen (ungefähr 6,50 Euro). Dafür erhalten wir ein „Bago Archeological Zone Ticket“, das uns den Zugang zu allen größeren Sehenswürdigkeiten in Bago gewährt.

Koe Thein Koe Than-Pagode

Weiter geht es in Richtung Norden. Dort befindet sich die Koe Thein Koe Than-Pagode. Die besonderen Sehenswürdigeiten liegen hier um den zentralen Hauptstupa verteilt. Auf der einen Seite des Geländes stehen Tierstatuen, die allesamt selbst einen kleinen goldenen Stupa auf dem Rücken tragen. Auf der anderen Seite liegt eine Schotterstraße, die zur Pagode führt. Sie ist gesäumt von stehenden, goldenen Buddhafiguren. Alle führen verschiedene Gesten aus.

Koe Thein Koe Than-Pagode
Marc Möllmann in der Koe Thein Koe Than-Pagode in Bago
Koe Thein Koe Than-Pagode in Bago
Buddhastatuen in Bago

Leider ist es hier nicht ganz so ruhig wie im vorangegangenen Tempel. Das liegt aber nicht etwa an der großen Anzahl an Besuchern. Schuld ist ein Mönch, der mit einem Mikrofon in der Anlage sitzt und singend um Spenden bittet.

Koe Thein Koe Than-Pagode

Tolle Aussicht von der Mahazedi-Pagode

Die Mahazedi-Pagode ist ohne Frage einer der Höhepunkte in Bago. Ihr massiver weißer Stupa, der terassenförmig aufgebaut ist, ist ein beeindruckendes Bauwerk. Er darf sogar bestiegen werden. Von oben hast du einen tollen Ausblick auf Bago und Umgebung. Der Nachteil: Der Aufstieg ist Männern vorbehalten. Geschlechterdiskriminierung gibt es leider auch im Buddhismus. Einmal um den weitläufigen Stupa herumzuschlendern, lohnt sich trotzdem für alle.

Mahazedi Pagode in Bago
Mahazedi Pagode in Bago
Mahazedi Pagode in Bago
Mahazedi Pagode in Bago

Der liegende Buddha im Shwethalyaung-Tempel

Es geht Schlag auf Schlag: Der vierte Stopp liegt nur wenige hundert Meter von der Mahazedi-Pagode entfernt. Der riesige, liegende Shwethalyaung-Buddha ist mit 55 Metern Länge der zweitgrößte der Welt. Er befindet sich im Zentrum einer Wellblechhalle, die zu seinem Schutz gebaut wurde. Alleine der kleine Finger misst 3 Meter. Im wahrsten Sinne des Wortes ein richtig dicker Brocken. Sehenswert sind auch die Gemälde an der Rückseite der Statue. Sie erzählen die Entstehungsgeschichte des Shwethalyaung- Buddhas.

Shwethalyaung Buddha in Bago
Shwethalyaung Buddha in Bago
Shwethalyaung Buddha in Bago

Quasi direkt nebenan gibt es einen weiteren liegenden Buddha („Myathalyaung Buddha“). Er liegt im Gegensatz zu seinem Nachbarn unter freiem Himmel. Wer Zeit sparen muss, kann diese Buddhastatue allerdings skippen!

Die Rekonstruktion des Kanbawzathadi-Palasts

Nun haben wir eine etwas längere Fahrt von knapp fünf Kilometern vor uns. Wir überqueren den Bago River und fahren ins Zentrum der Stadt. Ziel ist zur Abwechslung kein Tempel, sondern der Kanbawzathadi-Palast. Er wurde im 16. Jahrhundert vom burmesischen König Bayinnaung gebaut. Doch seine Existenz war nur von kurzer Dauer. Schon nach wenigen Jahrzehnten brannte der Palast nieder und war dann lange verschollen.

Kanbawzathadi

Erst im 20. Jahrhundert entdeckte man bei Ausgrabungen seine Grundmauern. In den 1990er Jahren wurde der Palast schließlich vom myanmarischen Militärregime rekonstruiert. Zu besichtigen gibt es zwei Gebäude. Den eigentlichen Haupt-Palast mit der „Great Audience Hall“ und eine zweite, etwas kleinere Halle, die „Bee Throne Hall“.

Marc Möllmann at Kanbawzathadi Palace in Bago
Bee Throne Hall at Kanbawzathadi Palace in Bago

Wie originalgetreu die Nachbildung geworden ist, kann dann jeder für sich selbst entscheiden. Sie ist auf jeden Fall eines: Sehr golden – wie eigentlich jedes prunkvolle Bauwerk in Myanmar.

Kanbawzathadi Palace

Shwemawdaw-Pagode: Myanmars höchster Stupa

Die Sonne steht langsam immer tiefer. Wir nähern uns dem späten Nachmittag. Es wird deshalb Zeit für die größte Pagode von Bago. Die Shwemawdaw besitzt den höchsten Stupa in ganz Myanmar. Er ist mit 114 Metern noch ein kleines Stückchen höher als die berühmte Shwedagon-Pagode in Rangun. Wie überall in Bago, sind wir auch hier hauptsächlich unter Einheimischen.

Die junge Frau aus unserem Hotel, die uns begleitet, kauft vorher für uns alle Blumen. An jedem größeren Tempel stehen in Myanmar Blumenverkäufer. Es gibt in den Pagoden verschiedene „Corners“ für die einzelnen Wochentage. Dort kann jede*r Gläubige in der Ecke seines Geburtstages Beten, Kerzen anzünden und eben auch Blumen niederlegen. Die einzelnen Wochentage werden durch einen Schrein mit einer dazugehörigen Tierstatue symbolisiert. Ich bin übrigens an einem Montag geboren. Mein Tier ist deshalb der Tiger.

Shwemawdaw Pagode
Riesiger Gong in der Shwemawdaw-Pagode

Die tiefstehende Nachmittagssonne taucht den riesigen goldenen Stupa der Shwemawdaw-Pagode in ein faszinierendes Licht. Wir harren einige Minuten in der Pagode aus, bis unser Fahrer unruhig wird. Bevor die Sonne untergeht, haben wir schließlich noch einen weiteren Stopp vor uns.

Shwemawdaw Pagode

Die heilige Schlange der „Snake Pagoda“

Und zwar eine Pagode, in der ein lebendiges Tier die Hauptattraktion ist. Wie es der Name schon verrät, dreht sich in der „Snake Pagoda“ alles um eine riesige Python. Sie lebt eigentlich frei in der Tempelanlage. Aber die meiste Zeit liegt sie nur faul herum auf ihrem Platz in einem der Gebäude der Pagode. Vermutlich wird sie von den Mönchen gut gefüttert.

Snake Pagoda in Bago

Das Tier soll sehr alt und natürlich auch heilig sein. Deswegen wird die Schlange von den Einheimischen verehrt. Gegen eine Spende darf sie auch angefasst werden. Das bringt angeblich Glück. Kritiker könnten natürlich auch behaupten, der ganze Spuk sei Tierquälerei! Ansonsten gibt es tatsächlich nicht viel in der Pagode zu sehen…

Snake Pagoda in Bago

Shwetaungyoe-Pagode: Der perfekte Sunset-Spot

Weil inzwischen die abendliche Dämmerung einsetzt, wird es nun Zeit, zum letzte Halt unserer Tempel-Hopping-Tour zu fahren. Die Shwetaungyoe-Pagode ist der optimale Ort, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Sie liegt am östlichen Rand der Stadt erhöht auf einem Hügel. Wir streifen durch die Pagode und genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Unterhalb der Anlage beobachten wir ein paar Einheimische beim Spielen von Chinlone, dem myanmarischen Nationalsport. Es erinnert mich irgendwie an Hackysack, nur dass es mit einem Ball aus Bast gespielt wird.

People playling Chinlone in Bago, Myanmar

Der Sonnenuntergang ist schließlich eine Attraktion. Von der Pagode haben wir einen wunderschönen Blick auf die Skyline von Bago und seine Umgebung. Der mächtige Stupa der Shwemawdaw glänzt im Licht der letzten Sonnenstrahlen. In der ganzen Ebene steigt Rauch auf (die Einheimischen machen gerne Feuer), der sich mit dem kräftigen Grün des Dschungels mischt. Außer uns sind nur zwei weitere Menschen vor Ort. Ein junges Pärchen, das im gleichen Hotel wie wir wohnt. Dadurch ist es einfach herrlich ruhig. Niemand stört die Stille, das Leben kann so schön sein.

Sunset in Bago
Sunset over Shwemawdaw Pagoda in Bago

Abendessen im Hanthawaddy Restaurant

Nach diesem anstrengenden, aber auch erlebnisreichen Tag haben wir natürlich einen Riesenhunger. Die Auswahl an Spots zum Abendessen für westliche Touristen ist in Bago nicht besonders groß. Wir entscheiden uns für das Hanthawaddy Restaurant. Aus seinem ersten Stock erfreuen wir uns am schönen Ausblick auf die abends erleuchtete Shwemawdaw-Pagode.

Bago at night

Der Laden wurde in unserem tollen Reiseführer vom Dorling Kindersley Verlag empfohlen. Und wir werden nicht enttäuscht. Es gibt leckere burmesische Küche mit eindeutigem Thai-Einschlag. Der verdiente Lohn nach einem harten Tag.

Hanthawaddy Restaurant in Bago, Myanmar

Danach fahren wir zurück zum Hotel und fallen müde ins Bett. Der nächste Tag wird schließlich wieder anstrengend werden, denn es geht früh weiter zum Golden Rock. Ich ahne allerdings noch nicht, was für eine Grenzerfahrung uns bevorsteht…


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