Städtereisen USA

21. Oktober 2018 , von

The Big Easy: Ein Kurztrip nach New Orleans

Ein Städtetrip nach New Orleans ist nicht vergleichbar mit einem Städtetrip in andere Metropolen. Es geht hier nicht darum, eine Reihe von Sehenswürdigkeiten abzuklappern. In New Orleans ist es wichtig, das Flair der Stadt und den Lifestyle der Einheimischen kennenzulernen: Jazz, kreolische Küche und der Wille, nach Rückschlägen wie dem Hurricane Katrina immer wieder zurückzukommen, haben die größte Stadt im US-Bundesstaat Louisiana geprägt. Besucher trägt es zuerst auf die Bourbon Street und zu den berühmten Mississippi-Dampfern. Richtig spannend wird es aber erst, wenn man sich abseits davon weiter in die Stadt hinein bewegt. Was es dort zu erleben gibt und was meine Tipps und Empfehlungen für „The Big Easy“ sind, erzähle ich dir in diesem Artikel.

1. Geh in eine Jazzbar!

In ganz New Orleans dreht sich eigentlich alles um Musik, genauer gesagt um Jazz. Der Park direkt um die Ecke unseres Hotels heißt deshalb folgerichtig Louis Armstrong Park, die Zimmer im  Hotel selbst sind nach Jazz-Legenden wie Earl „Fatha“ Hines benannt und egal, wohin man im French Quarter geht, aus irgendeiner der vielen Bars und Geschäfte ertönt immer wieder Jazz. Ein Besuch in einer der vielen Jazz-Bars gehört darum zum absoluten Pflichtprogramm in New Orleans.

Mein Freund und ich haben uns für die Preservation Hall entschieden. Der Kultladen steht seit den 1950er Jahren mitten in New Orleans‘ berühmtestem Stadtviertel, dem French Quarter, und seitdem wurde hier nichts erneuert. Das heißt, es gibt dort keine Toiletten und auch keine Klimaanlage. Jeden Abend finden mehrere knapp 50-minütige Shows der Preservation Hall All Stars statt. Um sich die Konzerte anzusehen, zahlt man 20 Dollar (nur Bargeld wird akzeptiert!), stellt sich früh genug an (mindestens 30 Minuten vorher) und sitzt oder kniet dann in einem kleinen, alten Schuppen direkt vor einer fantastischen Jazz-Band.

Preservation Hall Line, New Orleans

Weil drinnen keine Getränke verkauft werden, bringen sich die Leute einfach Bier oder Cocktails von draußen mit und stehen damit während der Wartezeit vor der Halle an.

Preservation Hall, New Orleans

Nichts mit dicker Leuchtschrift hier!

Von der Show selbst kann ich dir leider keine Bilder zeigen, Filmen und Fotografieren ist verboten. Das Motto lautet: „Wir wollen den Abend mit euch verbringen, nicht mit eurem Smartphone“. Die Band spielt ein kurzes Programm aus Jazz-Songs, improvisiert und interpretiert diese immer wieder spontan neu und lebt von den unterschiedlichen Persönlichkeiten innerhalb der Truppe. Ich habe schon viele Konzerte in meinem Leben gesehen, das war vielleicht das Beste. Auf jeden Fall war es das Leidenschaftlichste.

Preservation Hall, New Orleans

Die Band sitzt auf einfachen Stühlen direkt vor dir. Näher geht’s nicht!

2. Raus aus dem French Quarter!

So ziemlich jeder Reiseführer, jeder Blog und jede Empfehlung wird dir sagen, dass es in New Orleans vor allem um das French Quarter geht – das alte, süße Viertel, das den Kern der Stadt am Mississippi bildet. Das macht auch erstmal Sinn. Im French Quarter findest du viele kultige Plätze wie das Café du Monde, den Louis Armstrong Park, die Bourbon Street und die Ablegestelle der Dampfschiffe. Aber wenn du New Orleans richtig kennen lernen willst, ist das wie in vielen anderen Städten auch: Du musst in die Viertel gehen, in denen die normalen Menschen leben.

Bourbon Street, New Orleans

Die Bourbon Street ist das Epizentrum des French Quarters. Mir persönlich war die Partymeile viel zu sehr „Mallorca“. Billige Drinks, mittelmäßige Musik und betrunkene Menschen

Das sagt sich leichter, als es in der Realität umsetzbar ist. Armut ist weit verbreitet in der Stadt und deshalb herrscht eine hohe Kriminalitätsrate. In die vom Hurricane Katrina am heftigsten betroffenen Vororte sollte man als Tourist deshalb eher nicht fahren, das könnte gefährlich werden. Meine Empfehlung ist der Garden District. Mit dem Cable Car kommst du dort für 1,50$ easy hin. Steig zum Beispiel an der Station Napoleon Avenue oder kurz davor aus, laufe in südlicher Richtung bis zur Magazine Street und über diese dann zurück bis in die Innenstadt. Auf den knapp 5 Kilometern kommst du an zahlreichen kleinen Shops, Restaurants, Kostümläden und Wohnhäusern vorbei.

Cable Car, New Orleans

Die wenigen Cable Cars fahren quer durch die Stadt und passen optisch perfekt zum Look der ganzen Stadt.

Dort findest du dann auch den Charme von New Orleans. Viele der im kreolischen Stil gebauten Häuser sehen traumhaft aus. Dazu hängen in den Bäumen und über den Stromleitungen überall die berühmten, bunten Mardi-Gras-Ketten. Das alles gibt der Stadt einen einzigartigen Look.

Mardi Gras Ketten, New Orleans

Wenn wir in Deutschland Karneval feiern, feiern die Leute in New Orleans Mardi Gras. Das Prinzip ist ähnlich, nur die Idee mit den Ketten ist neu.

Südstaaten-Haus, New Orleans

Fast jedes Haus im Garden District schreit nur so „Südstaaten“!

Eine Restaurant-Empfehlung für dieses Viertel muss ich euch mitgeben! In der Netflix-Food-Doku „Somebody feed Phil“ haben wir den Sandwich-Laden „Turkey And The Wolf“ entdeckt. Das Restaurant liegt etwas südlich von der Magazine Street. Aber der kleine Umweg lohnt sich. Guckt euch dieses saftige Sandwich an:

Turkey And The Wolf, New Orleans

Netflix hatte Recht, das ist der beste Sandwich-Laden, den ich kenne!

3. Futter dich durch die City!

Welche ist eigentlich die Welthauptstadt des Essens? Da gibt es sicher einige Kandidaten und New Orleans gehört für mich auf jede Liste, die über das Thema diskutiert. Die Küche ist ziemlich einmalig. Karibische Einflüsse, kreolische Einflüsse, amerikanische Einflüsse und daraus wird dann New Orleans Food. Essen und Trinken steht in der gesamten Stadt absolut im Fokus. Ich hab dir mal ein paar meiner Lieblingsspots rausgesucht:

Der erste Weg führt viele Besucher direkt zum Café du Monde am Jackson Square. Der Platz ist quasi der zentrale Punkt im French Quarter. Täglich stehen hier Straßenmusiker und bringen dir den ersten Jazz-Sound des Tages. Das Café du Monde ist Kult und seit Jahren der Ort, an dem Menschen sitzen, einen Kaffee trinken, die lokale Gebäck-Spezialität „Beignet“ essen und der Musik lauschen. Achtung: Nur Bargeld wird akzeptiert! Gegenüber ist allerdings ein Geldautomat.

Café du Monde, New Orleans

Beignets bestehen aus Teig und Puderzucker. Macht satt und glücklich!

Das angesagteste Restaurant in New Orleans ist momentan „Shaya“ im Viertel Touro. Dort gibt es moderne, israelische Küche zu einem etwas teureren Preis. Die Gerichte sind ein bisschen vergleichbar mit spanischen Tapas: Alle bestellen kleine Portionen und essen dann gemeinsam von allen Tellern. Mein Tipp: Mit einer Hauptspeise und zwei bis drei Vorspeisen seid ihr zu zweit absolut bedient. Probiert dazu unbedingt die hauseigenen Cocktails!

Shaya, New Orleans

Hummus mit karamellisiertem Blumenkohl ist eine der vielen verschiedenen Tapas im „Shaya“ und das Beste, was ich an dem Abend gegessen habe!

Dessert-Fans werden ihren Spaß im „Sucré“ haben. Die Verlinkung führt dich hier direkt zu ihrem Instagram-Account. Die Betreiber wissen nämlich nicht nur wie man fantastische Desserts zubereitet, sondern auch wie man sie schön anrichtet und ablichtet. Macarons, Tartes, Schokoküchlein und diesen leckeren Red Velvet Cupcake findet ihr dort zum Beispiel.

Sucré, New Orleans

Red Velvet Cupcake <3

Mit seinem ganz eigenen Charme hat mich New Orleans absolut überzeugt. Hier kann man gut ein paar Tage verbringen. Und genau das ist auch meine Empfehlung. Für einen Trip über drei bis fünf Tage ist New Orleans genau richtig. Wenn man in der Region bleiben will, lohnt es sich am Ehesten, Richtung Florida weiter zu reisen.

-> Wenn du in den Südstaaten der USA unterwegs bist, schau dir doch mal meinen Artikel über die Florida Keys oder Marcs Story aus dem Shark Valley in den Everglades an!

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1 Comment

  • Reply Peter 21. Oktober 2018 at 15:04

    Hei. Freue mich, dass ich auf eurem Blog gelandet bin. Ich mag eure Art zu reisen und eure Beiträge über die unterschiedlichen Trips. Ich war noch nie in den USA. Der Beitrag erzeugt allerdings starkes USA-Fernweh bei mir 🙂

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